Kunst in Kirchen
- eine unendliche Geschichte
Wunden und Narben
Die Marienkirche erzählt eine bewegende Geschichte von Zerstörung und Tod, aber auch von Versöhnung und neuen Chancen. Innen und außen ist sie von Narben gezeichnet. Besonders der Innenraum ist geprägt von Kunstwerken, die sich mit der Gewalt des Krieges sowie mit Tod und Verlust auseinandersetzen. Viele dieser Werke sind selbst beschädigt und zeigen die Spuren kriegerischer Zerstörung. Doch all diese Kunstwerke berichten auch von Neuanfängen, von neuen Möglichkeiten und Freiräumen für Veränderungen. Sie sind weiterhin präsent und können uns von Versöhnung und Zuversicht erzählen.
Diese Zeugnisse der Geschichte sollen hier zu Wort kommen. Hier kannst du ihnen zuhören.
Alles im Fluss - die Marienkirche im Wandel
„Nichts ist so beständig wie der Wandel“ – so heißt es. Wer wüsste das nicht? Es klingt ganz banal: „Nichts ist für die Ewigkeit.“ „Auch das geht vorbei“ … Welche Sprüche zum Thema Wandel und Veränderung kennst du?
Wir erleben ständig Veränderungen in unserem Leben, immer wieder. Manche Veränderungen begrüßen wir freudig mit „Endlich!“. Manchmal sorgen wir uns hingegen, wie es weitergehen wird. Unsere Vorstellungen von der Zukunft liegen schemenhaft vor uns, verschleiert von Zuversicht und Sorge. Und die Vergangenheit? Wenn wir in unsere eigene Vergangenheit zurückblicken, erscheint das, was wir sehen, oft „nebelverhangen“. Erinnerungen sind schließlich nicht immer zuverlässig. Wie genau war das damals?
Wenn wir jedoch auf historische Ereignisse der Weltgeschichte oder die Geschichte eines Ortes blicken, glauben wir häufig, dass das, was wir gelesen oder gehört haben, unumstößlich und „die Wahrheit“ ist. Dabei vergessen wir, dass auch das, was wir heute sehen, zum Beispiel in der Marienkirche, im Laufe der Zeit – über Jahrzehnte und Jahrhunderte – immer wieder verändert wurde. Nichts war jemals genau so, wie wir es gerade jetzt wahrnehmen. Geschichte ist auch heute noch permanent im Wandel. Wie spannend! Die Marienkirche und alles in ihr stehen niemals still. Sie sind im Fluss – seit Jahrhunderten. Hier gehts lang zum Fluss ...
Zeit für Neues - eine Chronologie
1942 brannte die Marienkirche fast vollständig aus. Bis zu diesem Zeitpunkt beherbergte sie ein großen Schatz an Ausstattungsstücken aus verschiedenen Jahrhunderten. Vor allem prägten Altaraufsätze, Orgeln und der große Lettneraufbau aus dem späten Mittelalter das Erscheinungsbild des Kircheninnenraums. Aber auch die Epoche des Barock hatte mit der Kanzel, der Taufanlage, dem Fredenhagenaltar und den zahlreichen Gedenkbilder eindrucksvolle Bildwerke hinterlassen. Man könnte sagen, die Marienkirche glich einem Museum.
Die Zerstörung fast aller dieser Kunstwerke war für die Bau- und Kirchenverantwortlichen nach dem Krieg ein Anlass, den Innenraum neu zu denken - den Bedarfen der gegenwärtigen Gemeinde anzupassen und neu zu gestalten. Und so begann mit dem Wiederaufbau der Marienkirche auch - eine Zeit für Neues. Hier kannst Du die verschiedenen Stationen der Neugestaltung im Kirchenraum nachvollziehen.